Stark im Glauben

Leseprobe · Kapitel 1

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Kapitel 1 von 7

Die Einladung zum Kreuz

Die Einladung zum Kreuz
Die Einladung zum Kreuz

Es ist früh am Morgen, und die Luft schmeckt nach Tau. Du stehst am Rand einer Staubspur, die sich den Berg hinaufwindet, und du weißt nicht, warum du hier stehst. Irgendwo vor dir geht ein Mann, dessen Gesicht du nicht siehst. Seine Schultern tragen etwas, das schwer wie ein rohes Balkenholz auf ihm liegt — ein Kreuz, grob behauen, unfertig. Die Menge um ihn herum flüstert, einige weinen, andere wenden sich ab. Und eine Stimme, leise wie ein Atemzug, sagt zu dir: "Komm."

Du zögerst. Du schaust auf deine Hände, auf das, was du bisher dein Leben nanntest — die Gewohnheiten, die Ängste, die kleinen und großen Verwundungen. Und du spürst plötzlich: Dieser Weg ist keine Strafe. Er ist eine Einladung. Eine Einladung, nicht mehr allein zu tragen, was ohnehin getragen werden muss, sondern es gemeinsam mit ihm zu tragen, der es zuerst trug.

Jesus geht voraus. Er dreht sich nicht um, um dich anzuschauen, aber sein Schritt wird ein wenig langsamer, als wolle er sagen: Ich warte auf dich. Das Kreuz auf seiner Schulter wirft einen langen Schatten, und in diesem Schatten wird es still um dein Herz. Hier, am Fuß des Berges, beginnt etwas, das kein Ende hat: die Schule des Ertragens, die zugleich die Schule der Liebe ist.

Du trittst aus der Menge heraus. Du stellst dich hinter ihn. Und zum ersten Mal begreifst du, dass Ertragen kein dumpfes Erdulden ist, sondern ein Ja — ein Ja, das man nicht einmal, sondern jeden Morgen neu spricht.