Pfade der Weisheit

Leseprobe · Kapitel 1

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Kapitel 1 von 7

Die Furcht des Herrn

Die Furcht des Herrn
Die Furcht des Herrn

Eine alte Erzählung berichtet von einem jungen Mann, der sein ganzes Leben der Suche nach Wissen widmete. Er durchmaß die Bibliotheken der Welt, zählte die Sterne und maß die Ströme. Doch je mehr er wusste, desto leerer wurde er innen.

Eines Abends, am Rande einer stillen Wüste, begegnete ihm ein alter Hirte. Der Hirte sprach: "Du hast viele Antworten gesammelt, doch dir fehlt die eine Frage, die alles trägt." Der junge Mann schwieg. Zum ersten Mal spürte er, dass Wissen und Weisheit nicht dasselbe sind.

Weisheit beginnt nicht mit einer Antwort, sondern mit Ehrfurcht. Wer Gott achtet, sieht die Welt mit neuen Augen: die Schöpfung wird zum Zeichen, der Mitmensch zum Geschenk, das eigene Leben zum anvertrauten Gut. Diese Ehrfurcht vertreibt nicht die Fragen - sie gibt ihnen einen Ort.

Vielleicht ist es natürlicher, so zu leben, als ohne Maß zu messen. Wer Gott vergisst, ermüdet am eigenen Verstand. Wer ihn sucht, findet einen Anfang, der trägt - auch dort, wo das Wissen endet.