Leseprobe · Kapitel 1
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Kapitel 1 von 5
Das schweigende Fasten

Die Morgensonne lag warm über den Dächern Jerusalems, doch Eliab spürte nur die Kälte in sich. Drei Tage hatte er gefastet. Drei Tage hatte er sich Asche auf das Haupt gestreut, den Sack um die Lenden gebunden und im Tempel auf den rettenden Ruf Gottes gewartet. Doch der Himmel blieb schweigend.
"Warum fasten wir, und du siehst es nicht?", murmelte er, während er zwischen den Säulen auf und ab ging. "Warum tun wir Buße, und du merkst es nicht?" Seine Hände waren weiß vom Mehl der Opfergabe, doch sein Herz war schwer.
Draußen, jenseits der Tempelplattform, saß die Magd seines Nachbarn mit wundgebundenen Füßen – sie war wieder geschlagen worden. Eliab hatte sie gesehen, den Blick gesenkt, war weitergegangen. Er hatte Wichtigeres zu tun. Er fastete schließlich.
